Kühlhäuser – Technik und Wirtschaft 1

In dieser Blogreihe schauen wir hinter die wirtschaftlichen und technischen Kulissen von Kühlhäusern und untersuchen die ökonomische Bedeutung und den technischen Aufbau. Diesen Blog gibt es auch als Podcastserie. Jetzt reinhören: Kühlhäuser Teil 1

Sven W. ist Techniker in einem großen Kühlhaus in Niedersachsen. Seine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Kühlungsprozesse reibungsfrei ablaufen.

Zusammen mit seinen zwei Kollegen ist Sven für diesen Zweck rund um die Uhr erreichbar: läuft etwas schief, klingelt sein Smartphone, auch in der Nacht. Dank moderner Kommunikationstechnologie kann das Team die Anlage dann im Notfall sogar von einem externen PC aus regeln. Außer seinen Technikern beschäftigt ein Kühlhaus Mitarbeiter für das Qualitätsmanagement, Kommisionierer und Speditionskaufleute.

Wenn jemand aus Svens Bekanntenkreis ihn fragt, wie denn so ein Kühlhaus eigentlich von innen aussieht, sagt er immer: “im Prinzip wie ein ganz normales Lagerhaus, eben nur kälter… viel kälter”.

Auch wenn diese Erklärung recht einfach ausfällt, falsch ist sie nicht.

Grundlagen

Die wichtigsten Bestandteile eines Kühlhauses sind

  • Vorraum
  • Lagerbereiche
  • Maschinenraum und
  • Kälteanlage.

Der Vorraum

Um Vereisungen in der Technik und Geruchsbildungen an gekühlten Gütern zu vermeiden, wird ein sogenannter Vorraum als Luftschleuse und Abkühlraum dem eigentlichen Kühlraum vorgeschaltet. Ohne den Vorraum könnte die Feuchtigkeit in der Luft sogar dazu führen, dass bei Tieftemperaturen die Türen zu den Lagerräumen einfach zufrieren. Immerhin sprechen wir hier von Temperaturen von -20 bis teilweise sogar -30 Grad Celcius. Zum Vergleich: das Gefrierfach Ihres 4 Sterne Kühlschranks weist in der Regel eine Temperatur von -18 Grad auf.

Wer solchen Temperaturen jeden Tag ausgeliefert ist, darf nicht zimperlich sein und muss dafür sorgen, dass die Kälte nicht durchdringt. Das gilt sowohl für Mensch als auch für Material. Der Mensch kann sich mit Thermokleidung, Handschuhen und Fellmützen vor Gevatter Frost schützen. Doch wie läuft das eigentlich bei eingesetzten Materialien und Technik? Und warum dringt eigentlich keine Wärme von Außen in das Kühlhaus ein, insbesondere bei Schwachstellen wie beispielsweise Kühlhaustüren, welche ja nicht einfach durch Sandwichplatten oder Dachplatten gedämmt werden können, wie die Außenhülle eines Kühlhauses.

Um einem Wärmeeintritt oder einer Wärmezuleitung von Außen entgegenzuwirken, sind aus physikalischer Sicht heraus gesehen grundsätzlich zwei Materialeigenschaften ausschlaggebend.

  1. Die Fläche des Materials und
  2. sein stofflichen Eigenschaften.

Will man also den Wärmeaustausch klein halten, so kann man zum einen eine möglichst geringe Oberfläche anstreben und zum anderen ein Material auswählen, welches über eine gute Dämmung verfügt.

Betrachten wir für Erklärungszwecke einmal Kühlhaustüren. Unsere Drehtüren für Kühl- und Tiefkühlhäuser sind beispielsweise 0.9 Meter breit und 1.9 Meter hoch. Die daraus resultierende Gesamtfläche beträgt nur 1.71 Quadratmeter - recht klein im Vergleich zu normalen Lagerhallentüren, welche im Schnitt 1,2 Meter breit und 1,9 Meter hoch sind, also eine Gesamtfläche von 2,28 Quadratmeter einnehmen und damit 25 Prozent mehr an Fläche aufweisen.

Das Schaummaterial unserer Kühlhaustüren besteht aus Polyurethan, ein Stoff, der durch hervorragende Dämmeigenschaften und exzellente Kältebeständigkeit brilliert. Ausserdem ist die umgebende Stahlblechverkleidung zusätzlich noch mit tieftemperaturbeständigem Kunststoff beschichtet und abgeschlossen - Thermokleidung für Türen sozusagen.

Einwandfreie Kältebeständigkeit ist ein Anspruch, der von Allem, was für den Kühlhausbetrieb eingesetzt wird erfüllt werden muss. Das gilt für Hydraulikschläuche und Schmiermaterialien ebenso, wie für Armaturen und Lagersysteme. Abgesehen vom Material ist übrigens im Punkte Lagerung der Unterschied zwischen einer herkömmlichen Lagerhalle recht gering.  

Die Lagerbereiche

Der Großteil der Flächen eines Kühlhauses wird von der sogenannten Lagertechnik eingenommen, also verschiedenen Regaltypen und die damit verbundenen Lagerungsarten.

Den Laien überascht es oft, wieviele Regalarten es gibt: Festregale, Schmalgangregale, Durchfahrregale, Kanalregale, Einschubregale, Durchlaufregale und so weiter.

Noch vor wenigen Jahren wurden in Kühlhallen und anderen Lagerhallen zum Großteil Standregale zur Lagerung der Güter benutzt, doppelreihige Stauregale, die durch einen schmalen Gang voneinander getrennt werden und somit von Fahrzeugen zum Heben, Stapeln und zur Einlagerung von Lasten befahren werden können. Da die Gänge jedoch kostbaren Platz verschwenden werden sie heute aufgrund von betriebswirtschaftlichen Überlegungen heraus kaum noch eingesetzt.

Sehr viel platzsparender sind Schmalgangregale die leider jedoch hochspezielle Stapler erfordern, welche teuer und technisch aufwändig sind.

Heutzutage werden deshalb Gänge zwischen einzelnen Regalstraßen vermieden. Entweder bleibt das Lagerfahrzeug vor der Regaleinheit stehen und ein Rollwagen im Regal fährt das Lagergut vom und zum Stapler (Kanalregal) oder das Lagergut wird von hinten eingelagert und von vorne entnommen (Durchlaufregal).

Durch die Effizienzsteigerung nehmen die Kapazitäten von deutschen Kühlhäusern auch immer mehr zu. Verbindet man alle deutschen Kühlhäuser miteinander so ergibt sich ein Gesamtvolumen von fast zehnmillionen Kubikmetern, die in diesem Moment gerade gekühlt beladen oder  entladen werden.

In unserer nächsten Folge zeigen wir Ihnen, wie die Technik aussieht, die Temperaturen in Kühlhäusern bis auf minus 30 Grad Celsius sinken lässt.

Wenn Sie bereits in der Planungsphase für Ihr eigenes Kühlhaus stecken und Unterstützung bei der Berechnung der anstehenden Menge an Sandwichplatten und Dachplatten benötigen, probieren Sie doch einfach einmal unseren Online Kühlhausrechner für Sandwichplatten und Dachplatten aus.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Quellen:

http://www.tis-gdv.de/tis/tagungen/svt/svt10/weilhart/inhalt.htm
http://lagerwiki.de/index.php?title=Kommissionierung
http://www.deutschlandfunk.de/kuehlhaeuser-als-stromspeicher.676.de.html?dram:article_id=26311
http://kuehlzellen-regale.jimdo.com/k%C3%BChllager-technik/
http://www.hildesheimer-allgemeine.de/kuehlhaus.html
http://www.stromeffizienz.de/uploads/tx_zrwshop/Ratgeber_Kaeltetechnik_Industrie_und_Gewerbe.pdf
http://www.kuehlhaus-duesseldorf.de/Tiefkuehllogistik/Tiefkuehlhaus
http://files.vogel.de/vogelonline/vogelonline/issues/mm/2003/242.pdf